Aksess, für dein Lesen.
Bachelor Thesis Doku




Nutzer*innentests

Testing
Ich konnte die Schrift nicht einfach aus einem rein formalen Gefühl heraus gestalten. Wenn Aksess auf unterschiedliche Lesebedingungen reagieren soll, musste ich zuerst verstehen, wie Menschen überhaupt auf Schrift reagieren. Welche Formen wirken vertraut? Wo entstehen Unsicherheiten? Welche Zeichen fallen zusammen? Und wann wird eine Anpassung wirklich hilfreich statt nur auffällig?

Deshalb führte ich Nutzer*innentests mit unterschiedlichen Testpersonen durch. Darunter waren Menschen mit Sehschwächen, Sehbeeinträchtigungen oder konkreten Lesebarrieren, aber auch Normleserinnen. Diese Mischung war mir wichtig, weil Aksess nicht nur auf einzelne medizinische Fälle reagieren soll, sondern auf verschiedene Lesesituationen und Wahrnehmungen.

Schrift-Test-Tools
Die Tests begannen nicht direkt mit Aksess, sondern mit bestehenden Schriften. Ich zeigte den Testpersonen zuerst normale Leseschriften und einzelne barrierefreie oder besonders gut lesbare Schriftbeispiele. So konnte ich beobachten, welche Formen bereits vertraut wirken und welche Unterschiede überhaupt wahrgenommen werden. Verglichen wurden einzelne Zeichen, kurze Wörter und kleine Textabschnitte.Im Fokus standen nicht nur Zeichen, die leicht verwechselt werden können, sondern generell, wie der Text gelesen wird, was Probleme bereitet und wo die Leser*innen Stolpern. Nach und nach wurde Aksess wiederholt in den verschiedenen Achsen, um zu sehen was funktioniert.


Für die Tests erstellte ich zusätzlich ein kleines digitales Tool.
Mithilfe von Codex generierte ich eine einfache Oberfläche, die zufällige Sätze und unterschiedliche Schriftgrössen ausgeben konnte.
Das war wichtig, weil mein eigentliches Setting nicht der gedruckte Musterbogen war, sondern das Lesen auf dem Bildschirm. Die Testpersonen verglichen verschiedene Schriften und Zustände der Aksess direkt im digitalen Raum.

  • komplett weisser Screen
  • bei jedem Klick erscheint ein neuer Text
  • keine Anzeige, welche Schrift verwendet wird
  • zufällige Satzlängen, Wortlängen, Textgrössen, Zeilenlängen
  • immer Flattersatz
  • Aksess kommt bewusst häufiger vor
  • Aksess nutzt zufällige Achsenwerte für width, openness, distinction
  • eingebunden sind Atkinson, BBC Reith Sans, BBC Reith Serif und Systemfonts
  • insgesamt über 20 Schrift-Optionen von Serif bis Grotesk

Danach wurden Distinction, Openness und Width verändert.
Teilweise wurden auch Laufweite, Zeilenabstand und Schriftgrösse angepasst.

Die folgende Zusammenfassung zeigt die wichtigsten Erkenntnisse aus den Nutzer*innentests. Sie bildet keine wissenschaftlich abgeschlossene Auswertung ab, sondern eine gestalterische Verdichtung der Beobachtungen, Rückmeldungen und Vergleiche. Die Punkte halfen mir dabei, die Schrift nicht nur formal, sondern auch funktional weiterzuentwickeln.


Ich habe die Nutzer*innentests fortlaufend mit verschiedenen Personen durchgeführt, vor allem aus meinem sozialen Umfeld. Festgehalten habe ich sie über Notizen, Beobachtungen und spätere Auswertungen. Im Zentrum stand für mich die Frage, welche typografischen Eingriffe tatsächlich als hilfreich oder störend wahrgenommen wurden. Die Bilder zeigen den Testaufbau und geben einen Eindruck davon, wie die Tests durchgeführt wurden.

Selbst-Test-Tool
Neben der Formgestaltung führte ich die Schrift-Test weiter. Ich testete nicht nur mit anderen Personen, sondern entwickelte auch eigene Werkzeuge, um die Schrift besser beurteilen zu können.

Mithilfe von ChatGPT und Claude baute ich ein Tool, in dem ich meine Schrift anzeigen lassen und mit Effekten verschiedene Sehbedingungen simulieren konnte. Das war kein wissenschaftlich exaktes Diagnoseinstrument, aber es half mir, ein Gefühl für unterschiedliche Wahrnehmungssituationen zu bekommen. Ich konnte Unschärfe, Kontrastveränderungen, milchige Sicht oder andere visuelle Einschränkungen annähernd simulieren und prüfen, wie sich die Schrift unter solchen Bedingungen verhält.

Erste Version des Simulationstools
Zweite Version des Simulationstools

Zusätzlich testete ich mit physischen Hilfsmitteln. Ich testete meine Schrift ohne meine Kontaktlinsen oder Überkorrektur mit zusätzlichen verschiedenen Brillen, milchigen Folien und verschiedenen improvisierte Methoden, um mich zumindest annähernd in andere Sehbedingungen hineinzuversetzen. Diese Tests waren immer interessant, aber auch schwierig. Ich merkte, dass man sich nie vollständig in andere Augen versetzen kann. Eine Simulation bleibt eine Simulation. Sie kann Hinweise geben, aber sie ersetzt keine echte Erfahrung und keine wissenschaftliche Grundlage. Deshalb stützte ich mich im Verlauf des Projekts immer stärker auf bestehende Studien (Schriftliche Thesis) und bestehende Erkenntnisse. Meine eigenen Tests halfen mir beim Sehen und Verstehen, aber sie mussten durch Recherche abgesichert werden.