Aksess, für dein Lesen.
Bachelor Thesis Doku
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Zwischenpräsentationen
Abgaben
Aksess Basis
Am Anfang der Schriftgestaltung stand eine Grundrecherche zu Seh- und Lesebarrieren. Ich wollte verstehen, welche typografischen Eingriffe tatsächlich sinnvoll sein können: Welche Zeichen werden verwechselt, welche Formen fallen zusammen, welche Abstände helfen und wann wird Schrift zu eng, zu geschlossen oder zu unruhig? Dafür beschäftigte ich mich mit Fachliteratur, Studien und bestehenden Schriften, die sich mit Lesbarkeit, Barrierefreiheit und digitalen Lesebedingungen auseinandersetzen.
Neben dieser Recherche suchte ich auch den Austausch mit Optiker*innen. Einige Gespräche entstanden sehr spontan, unter anderem in Frick, eher walk-in-mässig und ohne klar vorbereiteten Fragenkatalog. Sie waren interessant und bestätigten mir die Relevanz des Themas, halfen mir schriftgestalterisch aber nur begrenzt weiter. Viele Sehschwächen kannte ich durch meine Recherche bereits, und die optischen Geräte liessen sich kaum direkt in typografische Entscheidungen übersetzen.
Wertvoller war der Austausch mit Severine Schaub aus dem 4. Semester, die gelernte Augenoptikerin ist. Sie war während des Prozesses immer direkt zur Stelle, wenn ich eine Frage hatte, und brachte einen anderen Blick auf mein Thema ein. Gerade weil diese Gespräche offen und nicht stark vorbereitet waren, halfen sie mir, konkrete gestalterische Fragen aus einer fachlich anderen, aber unvoreingenommenen Perspektive zu reflektieren.
Ergänzend dazu wurden Erfahrungsberichte aus sozialen Foren, Instagram-Kommentaren und anderen digitalen Räumen wichtig. Dort zeigte sich, wie unterschiedlich Menschen Lesen erleben und wie stark Lesbarkeit von Alltagssituationen abhängt: von Licht, Kontrast, Bildschirmqualität, Müdigkeit, Gewöhnung und persönlicher Leseerfahrung. Dadurch wurde klar, dass Lesbarkeit nicht universell gelöst werden kann, sondern ein System braucht, das unterschiedliche Bedingungen ernst nimmt und Anpassung zulässt.
Parallel dazu konnte ich mich auf Erfahrungen und Erkenntnisse stützen, die ich bereits in der kulturgeschichtlichen Thesis gesammelt hatte. Dort recherchierte ich ausführlich zu bestehenden Schriften, die sich mit Lesbarkeit, Barrierefreiheit und digitalen Lesebedingungen auseinandersetzen. Besonders Atkinson Hyperlegible, Lexend und Typotheque ZED wurden für meine gestalterische Arbeit wichtige Referenzen, weil sie unterschiedliche Antworten auf ähnliche Fragen geben.
Mich interessierten dabei weniger ihre ästhetischen Eigenschaften als ihre typografischen Strategien: offene Formen, klare Zeichenunterscheidung, grössere Innenräume, Proportionen, Abstände und der Umgang mit ähnlichen Zeichen wie I, l, 1, O oder 0. Bei Atkinson Hyperlegible war vor allem die starke Differenzierung solcher kritischen Zeichen relevant. Lexend zeigte mir, wie stark Proportionen, Abstände und Lesefluss die Wahrnehmung einer Schrift beeinflussen können. ZED war besonders wichtig, weil die Schrift Lesbarkeit nicht als festen Zustand versteht, sondern als etwas, das sich an unterschiedliche Bedingungen anpassen lässt.
Diese Recherche half mir, die Gestaltung meiner eigenen Schrift nicht nur intuitiv zu entwickeln, sondern auf bereits untersuchten typografischen Ansätzen aufzubauen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass diese Schriften nicht einfach allgemein „besser lesbar“ sind, sondern jeweils bestimmte Probleme adressieren. Für Aksess bedeutete das, bestehende Lösungen nicht direkt zu übernehmen, sondern ihre Strategien zu verstehen, zu vergleichen und für mein eigenes Schriftsystem weiterzudenken. Auf dieser Basis konnte ich prüfen, welche Ansätze relevant sind, wo sie adaptiert werden können und an welchen Stellen neue Lösungen erprobt werden müssen.
Im Zusammenhang mit Lexend suchte ich ausserdem den Kontakt zu Dr. Bonnie Shaver-Troup, der Initiatorin des Lexend-Projekts. Der Austausch begann vielversprechend, kam nach ersten Rückmeldungen jedoch nicht weiter zustande. Trotzdem war der Kontaktversuch für meinen Prozess relevant, weil Lexend eine wichtige Referenz blieb und mir half, mein eigenes System im Verhältnis zu bestehenden Ansätzen adaptiver und lesbarer Typografie einzuordnen.
Diese Recherche bildete die Grundlage für die ersten gestalterischen Entscheidungen. Gleichzeitig begann ich nicht komplett bei null, sondern griff auf eine Schrift zurück, die ich bereits in einem früheren Sommerprojekt begonnen hatte. Diese Schrift war noch kein fertiges System, aber sie enthielt bereits viele Ansätze, die für mein Bachelorprojekt interessant waren: eine gewisse Robustheit, erste Überlegungen zu klareren Zeichenformen und einzelne Versuche, kritische Buchstaben stärker voneinander zu unterscheiden. Ich nahm diese Schrift als Ausgangspunkt, weil sie aus meiner eigenen Arbeit kam und ich dadurch nicht mit einer fremden Vorlage arbeiten musste. Gleichzeitig war mir schnell klar, dass ich sie nicht einfach übernehmen konnte. Sie musste grundsätzlich überarbeitet werden.
Die Schriftgestaltung selbst entstand vollständig in Glyphs 3. Besonders wichtig war dabei, nicht nur einzelne Buchstaben isoliert zu betrachten, sondern ihre Wirkung im Zusammenspiel: in Wörtern, Zeilen, Textgrössen und unterschiedlichen digitalen Lesesituationen. Glyphs wurde dabei zum zentralen Arbeitsraum, in dem ich zeichnete, korrigierte, testete, exportierte und die variable Struktur der Schrift Schritt für Schritt aufbaute.
Viele Entscheidungen, die im Sommerprojekt noch eher experimentell oder punktuell waren, mussten jetzt in ein zusammenhängendes System überführt werden. Manche Zeichen waren für sich interessant, funktionierten aber im Text nicht. Andere waren zu auffällig, zu didaktisch oder zu stark von einer bestimmten Idee geprägt. Deshalb begann ich, nachdem ich die schrift um generell überarbeitet hatte, vieles wieder zurückzunehmen.